Aufzucht von Jungtieren

Unter Jungtieren verstehe ich hier Schildis bis 5 Jahren die bei mir noch besondere Fürsorge erfahren. Eigentlich haben Junge Griechische Landschildkröten die gleichen Ansprüche wie Erwachsene Tiere ihrer geringeren Körpermasse und des noch weichen Panzers wegen werden sie jedoch etwas anders gehalten als die „Erwachsenen“.

Auch in der Natur scheinen die Jungen einen etwas anderen Lebensablauf zu haben als die Adulti. So werden Junge Tiere häufig in feuchteren und schattigen Verstecken in Gruppen vorgefunden während die „Alten“ derartige soziale Kontakte nicht so stark pflegen.


Bild1: Breitrandbaby im Terrarium

 

 


Freiland

Die Jungtiere sollten in den Sommermonaten von April/Mai bis Ende September Mitte Oktober , je nach Wetterlage, im gut isolierten (Doppelstegplatten) Frühbeet untergebracht sein. Das Frühbeet muss von unten mit Steinplatten oder Maschendraht vor dem Eindringen von Nagern und anderen Fressfeinden abgesichert sein und min. 1 qm ( für 2 Jungtiere ) groß sein.

Um ein Überhitzen bei starker Sonneneinstrahlung zu verhindern sollte der Halter entweder zuverlässig über ein Öffnen des Deckels lüften oder , besser, automatische Frühbeetöffner (im Baumarkt) anbringen. Bei weit geöffnetem Frühbeet ist auch von oben mit Maschendraht oder Vogelnetz vor Räubern wie Katzen, Hunden und Vögeln abzusichern. Als Bodengrund verwende ich Steinplatten, Gartenerde und ausgestochene Grassoden zu gleichen Teilen. Sand oder Rindenhäcksel haben sich nicht bewährt da diese leicht mitgefressen werden und mit der Zeit stark stauben. Lediglich zu „fette“ Gartenerde kann man mit etwas Sand abmagern. Als Versteck dienen Steinhöhlen, Korkrinde und Wurzeln. Als Substrat in den Verstecken eignet sich feuchtes Moos.

Dass Futter kann auf Steinplatten ausgelegt werden, getrunken wird aus tönernen Blumentopfuntersetzern die einen flachen Rand haben sollten und bei noch sehr kleinen Tieren mit ein paar Kieselsteinen in der Mitte des „Badebeckens“ abgesichert werden sollten. So kann das Tier, sollte es beim hineinklettern einmal auf den Rücken fallen, sich an den Steinen abstützen und wieder umdrehen. 

Um die Wärmeversorgung an kalten Tagen im Frühjahr und Herbst zu gewährleisten kann man dass Frühbeet mit einem Elsteinstrahler, gesteuert über eine Zeitschaltuhr mit Temperaturfühler, beheizen. Bei mir ist dieser so eingestellt dass er für 4h am Tag 20 ° C Lufttemperatur ( direkt unterm Strahler wird’s ca. 35-40 ° warm) liefert und dass die Temperatur Nachts nicht unter 12 ° fällt. Bei gut isoliertem Frühbeet und Zusatzheizung können die kleinen Schildis bis Oktober draußen bleiben. Ist keine Heizung vorhanden sollten sie je nach Witterung früher rein. Auf keinen Fall sollte die Temperatur Nachts jedoch unter 10° fallen da die Tier sich dann zur Winterruhe vergraben.


Terrarium

Das Zimmerterrarium für die kleinen ist genauso eingerichtet wie dass Frühbeet. Gut zu reinigende Wasserschale mit frischem Wasser, Futternapf ( flachrandiger Tonuntersetzer) Versteckplatz mit feuchtem Moos und Erde als Bodengrund. Lediglich für die Beleuchtung und die Wärme müssen wir hier selbst sorgen. Als Beleuchtung und Wärmequelle empfehlen sich HQL oder HQI – Strahler die zwar teuer sind, aber von ihrer Lichtintensität der Sonne am nächsten kommen. Außerdem geben sie ausreichend Strahlungswärme für die Schildis ab, sollten jedoch so angebracht sein dass sie mindestens 35° - 40° C ( 20 ° Lufttemperatur sind ausreichend) am Sonnenplatz der Tiere erzeugen und für min. 11 Stunden brennen. Dies ist wichtig damit die wechselwarmen, also von der Umgebungstemperatur abhängigen, Tiere sich auf „Betriebstemperatur“ bringen und ihr Futter verwerten können.


Bild2: Marginata Jungtier im Freigehege

Dass Terrarium an sich besteht bei mir aus 40 cm breiten Leimholzbrettern die an eine alte Küchenarbeitsplatte geschraubt sind. Als Sichtfenster dienen verschiebbare in Schienen geführte Glasscheiben. Möglich sind auch Aquarien und Terrarien in entsprechender Größe. Alle Behälter sollten oben offen sein um den nötigen Luftaustausch zu gewährleisten.


Vorbereitung auf die Winterruhe 

Je nach Alter der Tiere geht’s dann Mitte Dezember / Anfang Januar für drei bis vier Monate in die Winterruhe - und zwar vom ersten Jahr an ! Im Sommer erst geschlüpfte Tiere sind im Januar schon bereit für 3 Monate Winterruhe und brauchen diese auch zur Gesunderhaltung. Drei Wochen vor dem geplanten Termin zur Aufnahme der Winterruhe sollten die Tiere mit abnehmender Beleuchtungsdauer und Temperaturen darauf vorbereitet werden.

In der ersten Woche Beleuchtung über 9 Stunden, Lufttemperatur ca. 18-20 ° C, Nachtabsenkung auf ca. 12 ° C, jedoch am Tag unter Wärmestrahler weiterhin 35°-40° C gewährleisten. 

In der zweiten Woche Beleuchtungsdauer auf 7 Stunden reduzieren, Aufheizen auf 35°-40° unter Strahler gewährleisten, Lufttemperatur sollte jetzt Nachts bei 10° liegen. Mitte der zweiten Woche die Fütterung komplett einstellen.

In der dritten Woche Beleuchtungsdauer auf 6 Stunden verringern, Tagestemperaturen auf 15 ° senken, Tiere 4mal über die Woche verteilt in lauwarmem Wasser ca. 20 Minuten baden, damit die Tiere reichlich Wasser aufnehmen und ihren Darm vollständig entleeren können. Nachtabsenkung auf 10 ° C. Am ende dieser Woche kann die Schildkröte, nahe der Oberfläche ins Überwinterungssubstrat eingebettet werden.


Bild3: Jungtier (Ostrasse) Griechische Landschildkröte


Winterruhe

Ein wichtiger Punkt bei der Überwinterung ist die Temperatur. Hier liegt dass Optimum bei 4- 10 ° C und sollte nicht längere Zeit auf über 12 ° C steigen da die Tiere dann aufwachen. Temperaturen unter 0 ° C können die Schildkröten schädigen oder töte und sollten deshalb ausgeschlossen sein.

Keller und Garagen mit entsprechenden Temperaturen sind hier möglich. Könne keine entsprechend kalten Überwinterungsquartiere gefunden werden besteht noch die Möglichkeit die Tiere in einem Kühlschrank zu Überwintern. Vorteil dieser Methode sind die konstanten und leicht einzustellenden Temperaturen. Der Kühlschrank muss jedoch häufiger geöffnet werden um genug Sauerstoff hinein zu lassen.

Als Behälter in denen die Tiere während ihrer Winterstarre untergebracht sind dienen bei mir Kunststoffboxen oder Holzkisten. In die Kiste ist bis zu einem viertel angefeuchtetes Blähton ( Hydrokulturkügelchen ) oder Seramis eingefüllt. Darauf gebe ich ein Gemisch aus feuchtem (nicht nass) Moos und Laub. Auch möglich ist eine Mischung aus Laub und humoser Gartenerde. Wichtig ist bei Jungen Schildkröten dass diese während der Winterruhe nicht austrocknen ! Also jede Woche mal dass Substrat auf seinen Feuchtigkeitsgehalt prüfen und ggf. nachfeuchten.


Aufwachen

Nach spätestes vier Monaten ist es dann Zeit für die Tiere ihren „Schlafmarathon“ zu beenden und den Körper wieder etwas aufzuheizen. 
Dazu stellen wir die Überwinterungskiste an einen wärmeren Ort ( ca. 15 ° C ) und warten bis die Tiere nach spätestens 2 Tagen von selbst zum Vorschein kommen. Wir setzen sie zurück ins Terrarium oder Frühbeet, Temperatur und Beleuchtung werden ganz normal geregelt und bieten ihnen frisches Futter und Wasser an. Ein lauwarmes Bad hilft die Lebensgeister zu wecken und einen möglichen Wasserverlust auszugleichen. Nach ein bis zwei Tagen fangen die Tiere dann an zu fressen.


Fütterung

Das Futter sollte in den Sommermonaten hauptsächlich aus Wiesenkräutern aller Art bestehen. Gern gefressen werden bei mir vor allem Wilde Karde ( Disteln), Löwenzahn, Spitz – und Breitwegerich, Frauenmantel, Klee, Wilder Wein, Nachtkerzenblüten, Königskerzen uvm . Am besten ist es hier ein Stück blattreiche, unbehandelte Wiese komplett durch abreisen/-schneiden abzuernten, da allein dadurch eine sehr abwechslungsreiche Ernährung gewährleistet ist. In den Wintermonaten, in denen keine Wildkräuter draußen wachsen kann man mit Salaten wie Indivien und Feldsalat auskommen die jedoch immer mit Agrobs überstreut werden sollten. Wenn die Tiere es fressen kann auch Agrobs pur, in Wasser aufgelöst, gegeben werden. Trotz Minustemperaturen kann man sich mit etwas Geduld auch im Winter auf die Suche nach Wildkräutern begeben, so kann man z.B. Breit- u. Spitzwegerich bis zum ersten Schnee mit dem Messer aus dem Boden stechen. 

Ganz wichtig ist bei Schildkröten die ausreichende Kalkversorgung zur Panzer- und Knochenbildung ! Einfach ganze Sepiaschalen oder etwas zerkleinerte Eierschalen ( von gekochten Eiern ) ins Terrarium legen und diese regelmäßig anbieten. Die Tiere beißen sich bei Bedarf Stücke davon ab.


Aktuelles
Arten
Haltung
Vermehrung
Aufzucht
Tipps zum Kauf
Nachzuchten
Artenschutzrecht
Gästebuch
Links
Kontakt